Wie viel Trinkgeld in 22 Ländern — und warum sich die Zahl an der Grenze ändert
Zwanzig Prozent sind in New York normal und in Kopenhagen zu viel. Was in 22 Reisezielen tatsächlich gegeben wird — plus ein Rechner, der die Rechnung für Sie teilt.
Der unangenehme Moment, wenn die Rechnung kommt
Sie kennen die Situation. Das Kartenterminal wird hingehalten, auf dem Display steht ein Vorschlag, und alle am Tisch sehen sich an. Trinkgeld ist eine der wenigen Alltagsrechnungen, bei denen die richtige Zahl weniger von Mathematik abhängt als davon, wo Sie gerade sitzen.
Unser neuer Trinkgeldrechner klärt das mit zwei Tipps: Rechnungsbetrag eingeben, Land wählen, und er zeigt Trinkgeld, Gesamtbetrag und den Anteil pro Person — mit den dort üblichen Stufen und in der Landeswährung.
Es gibt eigentlich nur drei Trinkgeldkulturen
Wer das Muster einmal erkannt hat, muss sich nicht 22 einzelne Regeln merken.
- Das Trinkgeld ist Teil des Lohns. Die USA sind der deutlichste Fall: Die Bundesregeln erlauben einen Barlohn von nur 2,13 Dollar pro Stunde, wenn das Trinkgeld bis zum bundesweiten Mindestlohn von 7,25 Dollar angerechnet wird; einige Bundesstaaten verlangen mehr. Deshalb werden 15-20% erwartet und nicht bloß geschätzt.
- Der Preis enthält die Bedienung, das Trinkgeld ist ein Dankeschön. So funktioniert der Großteil Europas. In Frankreich ist der Menüpreis gesetzlich service compris; in Dänemark müssen Preise als Gesamtpreis inklusive Mehrwertsteuer und Abgaben ausgewiesen werden. Sie füllen keine Lücke, Sie honorieren einen Abend.
- Trinkgeld gibt es schlicht nicht. In Japan ist es nicht üblich und kann für Verwirrung sorgen. Null ist die richtige Antwort — und keineswegs unhöflich.
Was tatsächlich gegeben wird, Ziel für Ziel
- USA: 15-20% bei Bedienung am Tisch, mehr bei besonderem Service. Bei großen Gruppen auf einen automatischen Servicezuschlag achten.
- Vereinigtes Königreich: Viele Rechnungen enthalten bereits 12,5% freiwilligen Servicezuschlag — steht er drauf, sind Sie fertig. An der Theke wird nichts erwartet.
- Frankreich: service compris, Trinkgeld also rein freiwillig. Aufrunden oder ein paar Euro nach einem guten Essen.
- Italien: Ein coperto pro Person steht oft schon auf der Rechnung, mehr wird nicht erwartet.
- Spanien und Portugal: freiwillig und zurückhaltend. Das Wechselgeld oder bis zu etwa 10% nach einem richtigen Essen.
- Griechenland und Kroatien: rund 10% im Restaurant, Aufrunden bei Kaffee und Getränken.
- Deutschland, Österreich, Niederlande: freiwillig, üblich sind Aufrunden oder 5-10%. In Deutschland ist freiwillig gegebenes Trinkgeld für die Bedienung steuerfrei.
- Dänemark, Schweden, Norwegen: Die Bedienung steckt im Preis. Aufrunden oder 5-10% für einen Abend, der es wert war.
- Polen und Tschechien: rund 10% bei Bedienung, und man nennt beim Bezahlen den gewünschten Gesamtbetrag.
- Ungarn und Bulgarien: etwa 10% — aber zuerst die Rechnung lesen, denn in Budapest steht oft ein Servicezuschlag von 10-15% darauf. Bulgarien nutzt seit dem 1. Januar 2026 den Euro.
- Türkei und Ägypten: rund 10% im Restaurant zusätzlich zu einem eventuellen Servicezuschlag; Bargeld kommt am direktesten beim Personal an.
- Thailand: keine ausgeprägte Trinkgeldkultur. Aufrunden oder das Kleingeld liegen lassen; Hotels und Touristenlokale schlagen oft schon 10% Service auf.
Die Rechnung teilen, ohne zu viel zu geben
Der klassische Fehler am Tisch: erst teilen und dann legt jeder noch sein eigenes Trinkgeld drauf. Einmal das Trinkgeld addieren, dann teilen — genau das macht der Wert pro Person im Rechner. Wer lieber selbst rechnet, nutzt unseren Prozentrechner für den allgemeinen Fall.
Aufrunden ist der europäische Normalfall
In weiten Teilen Europas denkt niemand in Prozenten; man rundet die Rechnung auf einen bequemen Betrag auf. Das kann der Rechner auch — beim Gesamtbetrag oder bei jedem Anteil — und er nutzt eine zur Währung passende Stufe: den nächsten Euro, die nächsten 10 Kronen, die nächsten 500 Forint. Behalten Sie dabei den tatsächlichen Satz im Blick: Wer 63 auf 65 aufrundet, liegt bei gut 8% statt bei den 5%, mit denen er gestartet ist.
Drei Fehler, die Geld kosten
- Trinkgeld zusätzlich zu einem Servicezuschlag geben, der schon auf der Rechnung steht. Erst lesen, dann den Zuschlag abziehen und rechnen.
- Einen US-Prozentsatz mit ins Ausland nehmen. Zwanzig Prozent in Kopenhagen, Madrid oder Bangkok liegen weit über dem, was jemand erwartet.
- Nehmen, was das Terminal vorschlägt. Diese Vorgaben stammen vom Lokal, nicht von der lokalen Gepflogenheit.
Noch ein praktischer Hinweis: Der Rechner zeigt Beträge in der Währung des gewählten Landes, eine Rechnung in Baht sieht also aus wie eine Rechnung in Baht. Was der Abend im eigenen Geld gekostet hat, verrät der Währungsrechner.
- Fact Sheet #15: Tipped Employees Under the Fair Labor Standards Act (FLSA) — U.S. Department of Labor, Wage and Hour Division
- § 3 Nr. 51 EStG — Steuerfreiheit von Trinkgeldern — Bundesministerium der Justiz (Gesetze im Internet)
- Pourboire — fiche pratique de la DGCCRF — Ministère de l'Économie (DGCCRF)
- Retningslinjer for prismarkedsføring (samlet pris inkl. moms og afgifter) — Forbrugerombudsmanden
- Ley General para la Defensa de los Consumidores y Usuarios, art. 20 (precio final completo) — Boletín Oficial del Estado
- Bulgaria joins the euro area (changeover on 1 January 2026) — European Central Bank
Verwandte Rechner
- TrinkgeldrechnerTrinkgeld, Gesamtbetrag und den Anteil pro Person berechnen — mit den Stufen, die in 22 Reisezielen von Deutschland bis Thailand üblich sind.
- WährungsrechnerRechnen Sie einen Betrag mit einem selbst eingegebenen Wechselkurs von einer Währung in eine andere um, mit Kehrkurs zum Zurückrechnen.
- ProzentrechnerBerechnen Sie einen Prozentsatz einer Zahl, wie viel Prozent eine Zahl von einer anderen ist, oder die Änderung zwischen zwei Zahlen.
- RabattrechnerBerechnen Sie den Verkaufspreis und Ihre Ersparnis, wenn ein prozentualer Rabatt angewendet wird.